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Geschichte der Marie Juchacz

Marie Juchacz wurde am 15.3.1879 als Marie Gohlke in Landsberg /W. geboren. Eine älterer Bruder und eine jüngere Schwester wuchsen mit ihr gemeinsam auf. Dankbar und respektvoll schaute sie in späteren Jahren auf die Leistung ihrer Eltern zurück: Aufrecht hatte ihr Vater in der Handwerkstradition gestanden – und trotz widriger Bedingungen hatten ihre Eltern sparsam und sorgsam gewirtschaftet um ihren Kindern das Los der Kinderarbeit zu ersparen. Der Besuch einer höheren Schule war aber nicht möglich.

 

Marie Juchacz erlebte als Jugendliche den harten Arbeitstag einer Fabrikarbeiterin, arbeitete dann als Krankenpflegerin in einer Heil- und Pflegeanstalt (einer damals ungelernten Tätigkeit) und erlernte dann das Schneidern. Nebenher las sie, bildete sich (auch politisch) – gründete gemeinsam mit ihrer Schwester Lesekreise, in denen man sich gegenseitig Informationen gab, das Gelesene erläuterte. Aus einer Ehe (über die Marie Juchacz nicht schrieb) gingen 2 Kinder hervor, die sie als Alleinerziehende versorgte.

 

Gemeinsam mit ihrer Schwester ging sie 1906 nach Berlin, wo sie sich u.a. für das Frauenwahlrecht, sozialdemokratische Ideen, wie Kinder-, Jugend- und Sozialrechte einsetzte und schon bald als kompetente, kluge und redegewandte Frau einen Namen machte.

 

1913 wurde sie nach Köln berufen als Parteisekretärin. In Köln erwarb sie sich einen hervorragenden Ruf als kundige, gerechte, solidarische und findige Organisatorin in der Notsituation der Versorgungsmisere des ersten Weltkrieges. In dieser Zeit entwickelte sie auch die Ideen zur Gründung der Arbeiterwohlfahrt.

 

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Marie Juchacz in den Reichstag gewählt; sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament eine Rede hielt, im Februar 1919. Im Dezember 1919 bewegte sie den Parteiausschuss der SPD der Gründung der Arbeiterwohlfahrt zuzustimmen.

 

Bei allem Gewicht, das Marie Juchacz auf das ehrenamtliche Engagement legte, aus einem tiefen Grundverständnis von solidarisch- demokratischem Handeln, war es ihr ein ganz besonderes Anliegen, die soziale Arbeit fachlich richtig, kompetent geschult, zu leisten; die Einrichtung einer Wohlfahrtsschule war eine der frühen Aktivitäten der jungen AWO.

 

Zur Finanzierung der Aktivitäten, der Hilfen, die konkret und praktisch geleistet wurden, gab es Lotterien und Sammlungen, zur Selbsthilfe wurden Nähstuben und Suppenküchen eingerichtet, auch schon die ersten Heime geschaffen.

 

Gut 150.000 ehrenamtlich Mitarbeiter/innen hatte die AWO binnen gut 10 Jahren gewinnen können, als der Naziterror den Aktivitäten 1933 ein Ende aufzwang:

 

AWO wurde als eigenständige Organisation verboten, d.h. der sog. Reichsarbeitsfront unterstellt, Einrichtungen und Projekte, wie das Winterhilfswerk, von den Nazis übernommen, die AWO-Aktiven mussten fliehen. Marie Juchacz floh über das Saarland nach Frankreich und dann nach New York. Für sie, 60-jährig, ohne Fremdsprachenkenntnisse, war das eine bittere Situation - mit Näharbeiten musste sie sich durchschlagen. Doch unverzagt packte sie wieder zu, besann sich auf ihre Erfahrungen und Talente und baute die AWO New-York auf: Eine Hilfsorganisation zunächst für Menschen im Exil, dann zur Organisation von Hilfspaketen (Care-Paketen) für die notleidenden Menschen im Nachkriegsdeutschland entstand.